Deutsche Führungskräfte versagen...

Deutsche Führungskräfte versagen...

„Deutsche Führungskräfte versagen auf der ganzen Linie.“ – Ich kann es einfach nicht mehr hören!...

...und zwar nicht, weil ich eine Führungskraft bin und auch nicht, weil es meiner Ansicht nach falsch ist. Was mich wirklich frustriert ist die Tatsache, dass hierzulande gefühlte 9 von 10 Berichte sich so sehr darauf konzentrieren, die „Probleme von Führungskräften zu bewundern“. Der Blick - auch zu sehen was möglich ist, verstellt sich dadurch. Unternehmenschefs werden sehr kritisch beobachtet. Die Meinungsbildner berichten mir viel zu einseitig - negativ. Die Öffentlichkeit hat sich darauf eingeschossen, dass die Inkompetenz von Führungskräften das drängendste Problem ist. Studien konzentrieren sich darauf, herauszufinden, welche Defizite wir haben. Berichte und Artikel fokussieren sich häufig nur darauf, was Manager falsch machen und erklären dann, wie sie es gefälligst besser machen sollen. (Ein Bisschen tue ich das hier ja auch). Mein Ärger: Diese verzerrte Darstellung schafft ein einseitiges Bild, das unserer Realität nicht gerecht wird und es macht etwas mit uns persönlich. Es macht unsere eigene Wahrnehmung selektiv. Und es macht es uns leicht, eine innere Haltung einzunehmen, die wir mal ganz einfach als „Unter der Linie“ bezeichnen. Menschen „unter der Linie“ betrachten sich bewußt oder unbewußt als Opfer ihrer Umstände. Sie beschäftigen sich mit den Fehlern anderer, und mit Dingen, die sie selbst nicht beeinflussen können und mit all den Gründen, warum sie es so schwer haben und nicht erfolgreich sein können. Der Gegensatz dazu ist „Über der Line“ zu agieren und sich darauf zu konzentrieren, was man tun kann um trotz vielleicht schwieriger Umstände an Lösungen zu arbeiten.

Und ganz ehrlich: Ist das motivierend? Fragen wir uns doch mal alle selbst mit Blick auf unsere eigenen Erfahrungen: Welche Menschen haben wirklich positiv verändernden Einfluss auf unsere persönliche Entwicklung gehabt? An wen erinnern wir uns gerne? An diejenigen, die uns sagen, was wir alles falsch machen, oder an diejenigen, die uns von guten Erfahrungen berichten oder bei denen wir sehen, dass sie glücklich und erfolgreich sind bei Dingen, die uns auch betreffen? Die Antwort darf sich jeder selbst geben...

Fakt ist, dass jeder Mensch nur für sich selbst entscheiden kann, ob er „unter der Linie“ oder „über der Linie“ sein will.

Ich selbst wurde jedenfalls immer von „Über der Linie“-Menschen inspiriert, die neue Ideen hatten und Neues wagten, auch wenn es Risiken gab.  Personen, die sich in die Perspektive Anderer versetzen, Fehler zugeben und daraus lernen. Und ich erlebe, dass es weit mehr Führungskräfte gibt, die ernsthaft und mit guten Erfahrungen ihre Führungsverantwortung wahrnehmen als wir denken. Es wird eben kaum darüber berichtet. So z.B. ein Geschäftsführer, der mir sagt, sein vorrangiges Ziel ist, dass seine Mitarbeiter sich mit dem identifizieren, was im Unternehmen wichtig ist, denn nur dann ist nachhaltiger Erfolg möglich. Oder ein Abteilungsleiter, der in der letzten Teamsitzung gemerkt hat, dass Lösungen viel schneller möglich sind, wenn man sich gemeinsam dazu entscheidet, nicht „Unter die Linie“ zu tauchen und die Zeit mit Schuldsuche und Ausreden zu verschwenden. Ein Teamleiter, der mir erstaunt berichtet, dass er in seinem Team plötzlich Engagement erlebt, nur weil er sich die Zeit genommen hat, seinen Mitarbeitern klarzumachen, warum es wichtig ist, die anstehende Herausforderung zu lösen.

Ich kenne hunderte kleinere und größere Beispiele, wie Führungskräfte im besten Sinne der Förderung und Forderung ihrer Mitarbeiter viel bewirken und ein Umfeld schaffen, in dem Verantwortung einen positiven Klang bekommt. Und die Teilnehmer meiner Workshops geben im Feedback später meist an, dass sie genau diese Beispiele am meisten motiviert haben. Das ist doch nicht neu! Leider sehe ich aber auch, dass in Unternehmen genauso die Kommunikation darauf fokussiert ist, die Probleme zu bewundern anstatt das sichtbar zu machen, was gut gelingt und dadurch zu motivieren. Fragen wir uns doch einmal, wie oft wir hören: „Hast du mitgekommen, wie ... das wieder verbockt hat?“ und wie selten wir hören „Hey Leute, mein Chef hat letztens... gemacht und dadurch haben wir wirklich gemeinsam ... erreicht.“

Defizit- und problemorientierte Kommunikation ist Teil unserer Kultur. Das muss aber nicht heißen, dass das gut ist oder schlimmer noch, dass es halt so ist und wir damit leben müssen. Nein, jeder einzelne kann damit beginnen, die positiven und anspornenden Erfahrungen sichtbar zu machen, in seiner Firma, in seiner Führung, als Mitarbeiter und in seinem Privatleben. „Über die Linie“ gehen sozusagen.

Und ich meine damit nicht, dass wir eine Chakkah-Mentalität brauchen und Probleme halt einfach „Herausforderungen“ nennen und „Friede-Freude-Eierkuchen“ rufen, um sie zu verdrängen oder zu ignorieren. Nein. Die Stärke unserer Kultur ist die Wahrnehmung und Benennung von Problemen und das Verantwortungsbewusstsein, sie nicht zu ignorieren. Eine neue Stärke sollte aber auch sein, die erfolgreichen Schritte „über der Linie“ sichtbar zu machen und kollektiv daraus zu lernen. Dadurch wird ein motivierendes Umfeld geschaffen, um Veränderungen zu bewältigen. Alle rufen doch nach Agilität, Ownership und Ähnlichem in der beschleunigten Zeit digitaler Transformation. 

Ich freue mich über die vielen Führungskräfte, die das bereits leben oder leben wollen und immer wieder bereit sind, zu reflektieren, zu lernen und Instrumente ausprobieren, die sie in diesem Sinne besser werden lässt. Es sind mehr als wir in der Öffentlichkeit wahrnehmen.

Mein Appell an alle Führungskräfte: Fangt an,all die inspirierenden Beispiele zu thematisieren. Wenigstens einmal zwischen zwei Problemanalysen. Schreibt Artikel oder erzählt einfach in der Kantine mit inspirierenden Beispielen von Kolleginnen und Kollegen, die durch ihr Führungsverhalten eine fördernde Kultur schaffen oder erstaunliche Leistungen erreicht haben.

Ich erlebe, dass das weit mehr positive Entwicklung bewirkt als Alles Andere und überlege mir jeden Tag im Kleinen wie bei meiner Beratungsarbeit im Großen, wie ich das selbst leben kann.

Macht mit! Macht einen Unterschied!


Der Mensch – Mittelpunkt des Erfolgs

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Autor: Andreas Geh

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